Kurze Geschichte des
Hebräischunterrichtes an höheren Schulen in Chemnitz
1399 wurde das
Chemnitzer Lyceum, die Lateinschule, am Jakobikirchplatz gegründet. Vom Jahr
1500 bis zum Jahr 1942 sind uns mit nur erstaunlich kleinen Lücken die Berichte
der Direktoren des Lyceums und danach des königlichen Gynmasiums überliefert.
Aus ihnen lässt sich die Geschichte des Hebräischunterrichts an höheren Schulen
in der Stadt Chemnitz rekonstruieren.
1528 trat in
Sachsen prinzipiell die Melanchthonsche Schulordnung für die Lateinschulen –
„Kursächsische Schulordnung“ – in Kraft. Obwohl die Reformatoren den biblischen
Sprachen im universitären Bereich große Bedeutung beimaßen, sprach sich
Melanchton ausdrücklich gegen den Hebräischunterricht an der Schule aus, den er
dort für eine den Geist der Schüler unnötig beanspruchende Angelegenheit hielt.
In Chemnitz wurde diese Schulordnung ab 1539 angewandt. Einige Lehrer der
Lateinschulen Chemnitz, Marienberg, Annaberg und Freiberg fielen in dieser Zeit
mit zu hohen Spesenabrechnungen auf, die durch mehrere Reisen nach Wittenberg
verursacht worden waren.
In den
Schulprogrammen und Berichten von 1500-1550, 1600-1650, 1700-1714 fehlt
Hebräisch in den sonst vollständigen Aufzählung der Fächer, Lehrer und
Lehrmittel. Für die jeweils zweite Hälfte des 16. und 17. Jahrhunderts fehlen
die Aufzeichnungen.
Nach Marienberg
und Freiberg begann in Chemnitz am 28.3.1715 der Hebräischunterricht am Lyceum,
im ersten Jahr zunächst fakultativ und teilweise privat finanziert durch Lehrer
des Lyceums.
Ab 1773 erfolgte
der Hebräischunterricht nach „Die Anfangsgründe Der Hebräischen Sprache Mit
Regeln Und Exempeln Erläutert Und Zum Gebrauche Seiner Zuhörer Dem Druck
Überlassen“ von M. Johann Gottlieb Biedermann, Rektor des Gymnasiums zu
Freiberg, erschienen zum Beispiel in Leipzig bei Breitkopf 1775.
1832 erfolgte
der Unterricht durch den Conrektor des Lyceums nach „GRUNDLINIEN EINER METHODIK
DES ELEMENTARUNTERRICHTS IN DER HEBRÄISCHEN SPRACHE.“ von Geo. Bened. Winer,
erschienen bei Reclam in Leipzig 1819.
1835 wurde das
Chemnitzer Lyceum aufgehoben. Einige Klassen wurden privat durch ehemalige
Lehrer fortgeführt, aus dieser Zeit existieren keine Aufzeichnungen.
1868 wurde das
königliche Gymnasium zu Chemnitz gegründet. Hebräisch war von Anfang an fester
Bestandteil des Programms der Oberprima und findet sich deshalb erst ab 1872 im
jährlichem „Programm des königlichen Gymnasiums“.
1872 bis 1880
wurde nach Seffers Hebräischem Elementarbuch unterrichtet. Empfohlenes
Wörterbuch war das Hebräisch-Deutsche Wörterbuch von David Cassel.
Bis 1935 wird
kontinuierlich der Hebräischunterricht in den jährlichen Berichten und
Programmen ausgewiesen, ab 1881 mit Wörterbuch und Grammatik von Wilhelm
Gesenius.
Die Lehrer
hießen Jäneke, Krüger, Schieblich, Eulitz, letzterer mindestens bis 1935. Seine
noch heute bekannten Schüler hießen damals Gottfried Müller (Buchhandlung „Max
Müller“), bis zum Schulverweis 1931 Helmut Flieg (Stefan Heym) und bis 1933
Stephan Hermlin.
1936 fehlt der
Eintrag zum Hebräischunterricht im Jahresbericht.
Am 26.01.1937
trat die „Sächsische Verordnung zur Neuordnung des gymnasialen Unterrichts“ in
Kraft. Diese sah keinen Hebräischunterricht am Gymnasium mehr vor.
1938 gibt es
eine kommentarlose Bemerkung in der Zeitschrift „Junge Kirche“ mit dem Inhalt,
künftige Theologiestudenten söllten doch nach Abschaffung des
Hebräischunterrichts an höheren Schulen auf Hebräischkurse in der Mark
Brandenburg ausweichen.
Von 1937 bis
1991 gab es keinen gymnasialen Hebräischunterricht in Chemnitz.
Am 1. Oktober
1991 wurde der Unterricht am oben genannten Gymnasium, das damals den Namen
„Hohe Straße“ trug, durch Daniel J. Naumann wieder aufgenommen und wird seitdem
schulübergreifend wechselnd jeweils an einem Chemnitzer Gymnasium über 3 Jahre
und mit der Möglichkeit zur Ablegung der staatlichen Abiturergänzungsprüfung
„Hebraicum“ angeboten. 1996 wurde hier das erste Hebraicum an einem sächsischem
Gymnasium nach 1937 wieder hier abgelegt. 2008 verließ die erste sächsische
Schülerin nach 1937 das ehemalige königliche Gymnasium mit Latinum,
Graecum und Hebraicum.